Überforderung bei Führungskräften 

Warum erfolgreiche Menschen ihre Überforderung oft besonders gut verstecken (können)!

von Axel Theune

Überforderung bei Führungskräften bleibt häufig im Verborgenen. Gerade erfolgreiche Unternehmer, Geschäftsführer und Executives sind Meister darin, ihre Überforderung zu verbergen. Sie funktionieren nach außen, oft sogar in Höchstform.

Sie sitzen morgens um 8 Uhr im ersten Meeting, treffen Entscheidungen, lösen Probleme. Sie motivieren Mitarbeiter, präsentieren Zahlen, beantworten zwischendurch 42 Mails und sitzen am Abend immer noch am Schreibtisch. Nach außen läuft alles. Hier genau  liegt das Problem. Denn ausgerechnet erfolgreiche Menschen können besonders gut darin sein, ihre eigene Überforderung zu verstecken, vor anderen und in der Regel auch vor sich selbst.

Warum Überforderung bei Führungskräften oft unsichtbar bleibt


Das Dilemma: Je erfolgreicher jemand ist, desto schwieriger kann es werden, offen über Überforderung und Leistungsdruck zu sprechen.

Erfolg erzeugt Erwartungen

In 30 Jahren Berufserfahrung in und mit Unternehmen, habe ich Geschäftsführer, Unternehmer und Führungskräfte erlebt, die nach außen unglaublich souverän wirkten. Sie traten entscheidungsstark, belastbar und selbstbewusst auf. Genau so, wie es von ihrer Rolle erwartet wird. Aber ich habe auch erlebt wie anders es hinter der Fassade oft aussieht.

I have been there

Auch ich war in meiner beruflichen Laufbahn mal an diesem Punkt. Genau deshalb kann ich mich in die Rolle der überforderten Führungskräfte hineinversetzen.
Da gibt es Zweifel, über die niemand spricht. Die Angst, irgendwann den Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden. Das Gefühl, permanent funktionieren zu müssen; mit diesem kleinen aber bohrenden Satz im Hinterkopf:
„Wenn die anderen wüssten, wie es wirklich in mir aussieht.“

Stress und Überforderung werden Teil des Alltags

Vom erfolgreichen Unternehmer erwarten wir Orientierung, von der Führungskraft Entscheidungskompetenz und vom Geschäftsführer Sicherheit.

Aber was passiert, wenn die Führungskraft, die Orientierung geben soll, plötzlich selbst die Orientierung verloren hat? Was passiert, wenn die Person, die Entscheidungen treffen soll, plötzlich an den eigenen Entscheidungen zweifelt?

Ein Teufelskreis beginnt

Hier beginnt ein perfides Spiel. Die Rolle wird weiter gespielt. Die Fassade wird aufrecht erhalten. Noch ein Meeting, noch ein Projekt, noch eine Entscheidung unter Druck. Weitermachen. Schließlich hat es bisher doch auch funktioniert. Und plötzlich verselbstständigt sich das Muster: Überforderung wird mit noch mehr Leistung beantwortet.

Wenn Leistung zur Identität wird

Leistung ist per se nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Ich mag Menschen, die etwas bewegen wollen. Menschen mit Ideen. Unternehmer. Macher. Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Problematisch wird es aus meiner Sicht an einem anderen Punkt.

Wenn aus: „Ich erbringe Leistung.“
unbemerkt: „Was ich leiste, bestimmt meinen Wert“ wird.

Dann bekommt beruflicher Erfolg plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Der nächste Auftrag ist nicht mehr nur ein Auftrag. Die Beförderung ist nicht mehr nur eine Position. Der Umsatz ist nicht mehr nur eine Zahl.

All diese Dinge beginnen, etwas über den eigenen Wert auszusagen. Plötzlich wird Scheitern gefährlich. Kritik wird persönlich. Kontrollverlust fühlt sich bedrohlich an. Es wird verdammt schwierig, einfach einmal zu sagen:
„Ich weiß gerade nicht weiter.“

Überlastung ist kein reines Zeitproblem

Bei Stress und Überforderung denken wir schnell an die Arbeitszeit, an zu viele Termine, E-Mails, Projekte.
Natürlich kann Arbeitsbelastung eine Rolle spielen. Aber entscheidend ist häufig auch, was innerlich passiert. Welche Erwartungen stelle ich an mich?

Kann ich überhaupt noch abschalten, wenn der Laptop längst geschlossen ist? Deshalb reicht es bei dauerhaftem Stress nicht immer, den Kalender besser zu organisieren.
Selbstführung beginnt eine Ebene tiefer.

Selbstführung ist mehr als Stärke

Wir haben ein merkwürdiges Bild von Stärke entwickelt. Stark ist, wer durchhält. Stark ist, wer Lösungen hat. Stark ist, wer Belastung aushält.
Ich sehe das inzwischen anders.

Vielleicht bedeutet Stärke manchmal auch, rechtzeitig zu bemerken:
So möchte ich nicht weitermachen.

Wie Meditation in mein Leben kam

Als ich damals selbst an diesem Punkt war, suchte ich nach einer Lösung außerhalb von Organisation und Zeitmanagement.

So kam die Meditation in mein Leben. Was zunächst ein persönlicher Weg war, wurde
später auch Teil meiner beruflichen Entwicklung zum Yoga- und Meditationslehrer.
Dabei interessiert mich bis heute vor allem eines:

Was passiert, wenn der permanente mentale Lärm einmal leiser wird? Wenn ich einen Gedanken wahrnehmen kann, ohne ihm sofort folgen zu müssen?

Da ist Druck – aber ich bin nicht der Druck.
Da ist Angst – aber ich bin nicht die Angst.
Da ist ein Gedanke – aber ein Gedanke ist noch lange keine Tatsache.

Plötzlich entsteht etwas sehr Wertvolles:

Abstand.

Mit diesem Abstand entsteht eine Möglichkeit, die wir unter dauerhaftem Stress leicht verlieren:

Wahl.

Meditation kann deshalb für Führungskräfte weit mehr sein, als eine Entspannungstechnik. Sie kann Teil bewusster Selbstführung werden.

Gute Führung beginnt mit Selbstführung

Ein auf den ersten Blick abgedroschener Satz? Vielleicht.
Aber werfen wir mal einen Blick dahinter:

  • Wie schaffe ich es, auch unter Druck bei mir zu bleiben?
  • Wie erkenne ich, wann gerade mein Autopilot übernimmt?
  • Wie unterscheide ich zwischen dem, was tatsächlich passiert und der Geschichte, die mein Kopf daraus macht?
  • Wie treffe ich eine bewusste Entscheidung, die nicht aus Angst, Ego, Gewohnheit oder Erwartungsdruck entsteht?

Meine neue Definition von Erfolg

Mit 30 habe ich Erfolg anders beschrieben. Karriere, ein sicheres Einkommen, Status, Anerkennung.
Und heute? Heute definiere ich Erfolg mit einem einzigen Zustand:

Glücklich sein.
Denn wer glücklich ist, dem mangelt es an nichts.

Bist DU glücklich?
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